Sicherer Ort – Zwischen den Räumen

Ein Jahr mit Online-Therapie

von Trina Roll 23.3.2021 | Traumatisierte Geflüchtete brauchen sichere Orte, um sich nach ihrer langen Flucht ein neues Leben aufzubauen. Orte, an denen sie sich sicher fühlen können, an denen sich Menschen für ihr Schicksal interessieren und an denen sie neue Beziehungserfahrungen machen können. Das Leben in der Pandemie hat auch für Geflüchtete massive Auswirkungen und Einschränkungen mit sich gebracht. Massenquarantäne in den Unterkünften, eine Verschärfung der Isolation, die Verteilung der Geflüchteten auf das Land während der geltenden Kontaktbeschränkungen. Das macht Angst, fördert Aggression und Depression und erhöht die psychischen Belastungen derjenigen Menschen, die ohnehin schon auf psychosoziale und/oder psychotherapeutische Unterstützung angewiesen sind. Sicherer Ort durch Proaktive Versorgung: PSZ Trier Im 6. Versorgungsbericht zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland berichtet die Weltgesundheitsorganisation, Gesund- heitsdienste hätten sich für Geflüchtete in Europa eher reaktiv in eine Art Notfall- modus entwickelt (WHO, 2018). Die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (PSZ) arbeiten in Deutschland daran, vorhandene Lücken zu schließen. In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt sechs Psychosoziale Zentren für Flüchtlinge. Das PSZ Trier ist seit 1993 aktiv in der Arbeit mit Menschen, die in der Erstauf- nahme-Einrichtung Trier, in der Stadt Trier und in der Umgebung untergebracht sind. In der Umgebung befinden sich seit 2015 Außenstellen des PSZ in den Landkreisen Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Vulkan-Eifel, Bernkastel-Wittlich und Teilen des Rhein-Hunsrückkreises; mit Außensprechstunden in Bitburg, Daun und Simmern. Seit Anfang der Pandemie im März 2020 leben die Geflüchteten mit geringer Lebensqualität und erhöhtem Risiko zu Marginalisierung. Deutschkurs, Kinder- garten, Arbeitsplätze usw. sind geschlossen - oft die einzige Brücke zum neuen Leben in Deutschland oder dem Kontakt zu anderen Menschen. Zusätzlich bringen Unsicherheiten im Asylverfahren und Sorgen um die Gesundheit von Familien- mitgliedern in Herkunfts- und Transitländern massive Belastungen mit sich. Wir als PSZ Trier haben seit einem Jahr (März 2020), trotz Lockdown, proaktiv in der Pandemie reagiert und den Kontakt zu unseren Klienten*innen aufrechterhalten, um die Beziehung weiter auszubauen und einen sicheren Ort zu erhalten. Sicherer Ort – zwischen den Räumen: Telefonkonferenz, Zoom und Co Seit dem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens im März 2020 und während der Lockerungen im Sommer 2020 haben wir unsere psychosozialen und psychotherapeutischen Angebote mit Kreativität weitergeführt. Am Anfang der Pandemie mussten wir den Kontakt zu unseren Klient*innen per Telefon halten. Aber schnell haben wir verschiedene Online-Systeme mit Videotelefonie verglichen: Zoom, Whereby, Webex als Alternative zum Telefon. Per Telefon waren die Gespräche von der Angst vor Corona, der Erläuterung der neuen Regeln und Bewältigungsstrategien zur Übererregung und andere Sympto- matiken als Folgen des Lockdowns geprägt. Es war möglich über diese Themen zu sprechen, über Empfindungen zu reden und Tipps und Strategien zu besprechen. Therapien mit Geflüchteten sind meist nur durch ein Gespräch zu Dritt ermöglicht. Daher wurde zu einer Telefonkonferenz übergegangen, die es auch drei Personen erlaubt, an verschiedenen Orten und in verschiedenen Sprachen, miteinander zu sprechen. Manche Klient*Innen leben an der belgischen Grenze, der oder die teilnehmende Sprach- und Kulturmittler*in im Hunsrück, die Therapeut*in sitzt im Home-Office in Trier oder Umgebung. Ein Nachteil des Telefons liegt darin, dass die non-verbale Kommunikation unsichtbar ist, was bei traumatisierten Menschen ein Risiko darstellt. Falls im Gespräch Panik-Attacken oder Dissoziationen auftreten, kann dies riskant für die Klient*In allein zu Hause sein. Für Therapeut*innen bedeutet das, keine körperlichen Reaktionen zu sehen und nicht zu wissen, ob Hilfe vor Ort ist (siehe Tipps unten). Um proaktiv zu bleiben, haben wir zwei verschiedene Online-Tools ausprobiert, Zoom und Whereby. Zoom erlaubt als kostenloses Videokonferenzprogramm ein 40-Minuten-Gespräch. Wir haben unseren Klient*innen per MMS oder E-Mail Hinweise dazu geschickt, wie sie sich registrieren können und einloggen sollen. Bei einigen hat es sehr gut funktioniert und die Beratung/Therapie konnte mit Video fortgeführt werden. Einige unserer Klient*innen sind aber Analphabeten, deshalb benötigten wir ein einfaches Hilfsprogramm und haben Whereby ausprobiert. Dieses System kommt aus Norwegen, ist aber in Englisch verfasst (was ein Vorteil für manche Klient*innen ist). Wir konnten einfacher die Log-in-Schritte erklären – es gibt keine Registrierung wie bei Zoom und einen unbegrenzten Zeitraum. Ein weiterer Vorteil: Whereby hat verschlüsselte Räume, schafft einen sicheren Raum für unsere Klient*innen. Nun benutzten wir seit einem Jahr Video- und/oder Telefonkonferenzen, um mit unseren Klienten*Innen in einer kontinuierlichen Beziehung zu bleiben. Die Gespräche handeln oft von den Belastungen durch die aktuelle Situation – die Pandemie, die Auswirkungen auf Familie und Leben. Darüber hinaus sind die psychischen Belastungen aus der Vergangenheit noch nicht geheilt. Videogespräche erlauben den Austausch über die drei verschiedenen Belastungsebenen: Strukturell-institutionell (unsicherer Aufenthalt, drohende Abschiebung, soziale Isolation, Trennung/Verlust der Familie, Diskriminierung); individuell (Flucht- geschichte, Zukunftsängste, Sprachprobleme, Leistungsdruck, Schuldgefühle) und die insbesondere durch traumatische Erlebnisse hervorgerufenen Gefühle von Kontrollverlust, permanenter Anspannung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, usw. Per Video können die Therapeut*innen die Reaktionen der Klient*innen besser sehen und spüren, und die Interventionen im Gespräch mit Hilfe der/des Sprach- und Kulturmittler*in steuern. Jeder von seinem eigenen Ort aus. Die Bundespsychotherapeutenkammer (2019) erklärt, dass Videobehandlung ins- besondere für Patient*innen geeignet ist, für die eine psychotherapeutische Behandlung im unmittelbaren Kontakt mit erheblichen Hürden verbunden ist. Zum Beispiel für Geflüchtete, die in weit verstreuten Landkreisen wohnen. Die folgenden Besonderheiten müssen ebenfalls berücksichtigt werden (Tipps zu Videokonferenz): Eignet sich der/die Klient*in aufgrund der Symptomatik und der PTBS für Video- oder Telefongespräche? Kann der/die Therapeut*in eine Beziehung aufbauen, steuern und stabilisieren, ohne zu eskalieren? Wir sind immer sehr vorsichtig vorgegangen. Ist eine tragfähige therapeutische Beziehung vorhanden? Wir haben nur wenige neue Klient*innen per Video oder Telefon angenommen. Die meisten die wir kontaktiert haben, möchten nach wie vor auf ein persönliches Gespräch warten. Wer aber bereit war, am Anfang per Video/Telefon zu arbeiten, hat einen Termin erhalten. Zwischendurch wurde ein persönliches Gespräch geführt, dass das Aufbauen einer Bindung ermöglichte. Ist der/die Patient*in akut suizidal? Hierzu haben wir klare Regeln und einen Notfallplan im Voraus gemeinsam erstellt. Zum Beispiel eine Notfallnummer von einer Bezugsperson, die einbezogen werden kann. Oder, für den schlimmsten Fall, vereinbart, ggf. den Rettungsdienst anzurufen. Könnte es sein, dass der/die Klient*in die Kommunikation per Video zum Beispiel aufgrund starker aktueller Symptome plötzlich abbricht? Oder welche Auswirkun- gen hätte eine Unterbrechung der Kommunikation per Video auf den/die Patientin, zum Beispiel durch technische Störungen? Wie gehen wir damit um? Wir haben immer eine Telefonnummer, um die Klient*innen zu kontaktieren, auch eine E-Mail- Adresse als Back-up liegt vor. Oder auch eine Notfallnummer von einer Bezugs- person die einbezogen werden könnte, falls ein Abbruch während starker Symptomatik oder einer suizidalen Situation eintritt. Trotz der ungewöhnlichen Rahmenbedingungen haben wir per Video und Telefon den vielleicht einzigen geschützten und geborgenen Ort geschaffen für Personen, die in großer Unsicherheit leben. Wir waren vielleicht auch die Einzigen, die sich Zeit genommen haben, besonders während der Kontaktbeschränkung, um zusammen schwierige Situationen oder Gefühle auszuhalten oder Mitgefühl und Trost zu spenden. Wir konnten und können trotz der Pandemie einen Platz anbieten und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen – nach langen Jahren voller Folter, Krieg und Verlust. Thank you for your concern and very useful advice. I’ll surely follow it… And thank you for being here. Knowing that I’m not alone gives me a kind of power and feeling of calmness” (Klientin in einem kleinen Dorf, ca. 70km vom PSZ entfernt, Kontakt / Therapie per Videotelefonie) Quellen: Bundespychotherapeutenkammer (2019), Praxis-Info: Videobehandlung, 1. Auflage, November 2019. Abrufbar unter bptk.de/.../...videobehandlung Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer – BafF e.V.(2020). Versorgungsbericht: Zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland. 6. Aktualisierte Auflage. Abrufbar unter baff-zentren.org/.../...Versorgungsbericht Trina Roll Traumatherapie Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Diakonisches Werk Trier und Simmern-Trarbach gGmbH Engelstraße 13 | 54292 Trier Handy: 0170 1264973 Festnetz: 0651 2090064 Fax: 0651 9916366 roll@diakoniehilft.de www.diakoniehilft.de

Sicherer Ort – Zwischen den

Räumen

Ein Jahr mit Online-Therapie

von Trina Roll 23.3.2021 | Traumatisierte Geflüchtete brauchen sichere Orte, um sich nach ihrer langen Flucht ein neues Leben aufzubauen. Orte, an denen sie sich sicher fühlen können, an denen sich Menschen für ihr Schicksal interessieren und an denen sie neue Beziehungserfahrungen machen können. Das Leben in der Pandemie hat auch für Geflüchtete massive Auswirkungen und Einschränkungen mit sich gebracht. Massenquarantäne in den Unterkünften, eine Verschärfung der Isolation, die Verteilung der Geflüchteten auf das Land während der geltenden Kontaktbeschrän- kungen. Das macht Angst, fördert Aggression und Depression und erhöht die psychischen Belastungen derjenigen Menschen, die ohnehin schon auf psychosoziale und/oder psychotherapeutische Unterstützung angewiesen sind. Sicherer Ort durch Proaktive Versorgung: PSZ Trier Im 6. Versorgungsbericht zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folter- opfern in Deutschland berichtet die Welt- gesundheitsorganisation, Gesundheits- dienste hätten sich für Geflüchtete in Europa eher reaktiv in eine Art Notfallmodus ent- wickelt (WHO, 2018). Die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (PSZ) arbeiten in Deutschland daran, vorhandene Lücken zu schließen. In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt sechs Psychosoziale Zentren für Flüchtlinge. Das PSZ Trier ist seit 1993 aktiv in der Arbeit mit Menschen, die in der Erstaufnahme-Einrich- tung Trier, in der Stadt Trier und in der Umgebung untergebracht sind. In der Um- gebung befinden sich seit 2015 Außenstellen des PSZ in den Landkreisen Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Vulkan-Eifel, Bernkastel- Wittlich und Teilen des Rhein-Hunsrück- kreises; mit Außensprechstunden in Bitburg, Daun und Simmern. Seit Anfang der Pandemie im März 2020 leben die Geflüchteten mit geringer Lebens- qualität und erhöhtem Risiko zu Marginali- sierung. Deutschkurs, Kindergarten, Arbeits- plätze usw. sind geschlossen - oft die einzige Brücke zum neuen Leben in Deutschland oder dem Kontakt zu anderen Menschen. Zusätzlich bringen Unsicherheiten im Asyl- verfahren und Sorgen um die Gesundheit von Familienmitgliedern in Herkunfts- und Transitländern massive Belastungen mit sich. Wir als PSZ Trier haben seit einem Jahr (März 2020), trotz Lockdown, proaktiv in der Pandemie reagiert und den Kontakt zu unseren Klienten*innen aufrechterhalten, um die Beziehung weiter auszubauen und einen sicheren Ort zu erhalten. Sicherer Ort – zwischen den Räumen: Telefonkonferenz, Zoom und Co Seit dem weitgehenden Stillstand des öffent- lichen Lebens im März 2020 und während der Lockerungen im Sommer 2020 haben wir unsere psychosozialen und psychotherapeu- tischen Angebote mit Kreativität weiter- geführt. Am Anfang der Pandemie mussten wir den Kontakt zu unseren Klient*innen per Telefon halten. Aber schnell haben wir ver- schiedene Online-Systeme mit Videotelefonie verglichen: Zoom, Whereby, Webex als Alter- native zum Telefon. Per Telefon waren die Gespräche von der Angst vor Corona, der Erläuterung der neuen Regeln und Bewältigungsstrategien zur Übererregung und andere Symptomatiken als Folgen des Lockdowns geprägt. Es war möglich über diese Themen zu sprechen, über Empfindungen zu reden und Tipps und Strategien zu besprechen. Therapien mit Geflüchteten sind meist nur durch ein Gespräch zu Dritt ermöglicht. Daher wurde zu einer Telefonkonferenz übergegangen, die es auch drei Personen erlaubt, an verschie- denen Orten und in verschiedenen Sprachen, miteinander zu sprechen. Manche Klient*Innen leben an der belgischen Grenze, der oder die teilnehmende Sprach- und Kulturmittler*in im Hunsrück, die Therapeut*in sitzt im Home-Office in Trier oder Umgebung. Ein Nachteil des Telefons liegt darin, dass die non-verbale Kommuni- kation unsichtbar ist, was bei traumatisierten Menschen ein Risiko darstellt. Falls im Gespräch Panik-Attacken oder Dissoziationen auftreten, kann dies riskant für die Klient*In allein zu Hause sein. Für Therapeut*innen bedeutet das, keine körperlichen Reaktionen zu sehen und nicht zu wissen, ob Hilfe vor Ort ist (siehe Tipps unten). Um proaktiv zu bleiben, haben wir zwei verschiedene Online-Tools ausprobiert, Zoom und Whereby. Zoom erlaubt als kostenloses Videokonferenzprogramm ein 40-Minuten- Gespräch. Wir haben unseren Klient*innen per MMS oder E-Mail Hinweise dazu ge- schickt, wie sie sich registrieren können und einloggen sollen. Bei einigen hat es sehr gut funktioniert und die Beratung/Therapie konnte mit Video fortgeführt werden. Einige unserer Klient*innen sind aber Analphabeten, deshalb benötigten wir ein einfaches Hilfsprogramm und haben Whereby ausprobiert. Dieses System kommt aus Norwegen, ist aber in Englisch verfasst (was ein Vorteil für manche Klient*innen ist). Wir konnten einfacher die Log-in-Schritte erklären – es gibt keine Registrierung wie bei Zoom und einen unbegrenzten Zeitraum. Ein weiterer Vorteil: Whereby hat verschlüsselte Räume, schafft einen sicheren Raum für unsere Klient*innen. Nun benutzten wir seit einem Jahr Video- und/oder Telefonkonferenzen, um mit unseren Klienten*Innen in einer kon- tinuierlichen Beziehung zu bleiben. Die Gespräche handeln oft von den Belastungen durch die aktuelle Situation – die Pandemie, die Auswirkungen auf Familie und Leben. Darüber hinaus sind die psychischen Belastungen aus der Vergangenheit noch nicht geheilt. Videogespräche erlauben den Austausch über die drei verschiedenen Belastungsebenen: Strukturell-institutionell (unsicherer Aufenthalt, drohende Abschie- bung, soziale Isolation, Trennung/Verlust der Familie, Diskriminierung); individuell (Flucht- geschichte, Zukunftsängste, Sprachprobleme, Leistungsdruck, Schuldgefühle) und die ins- besondere durch traumatische Erlebnisse hervorgerufenen Gefühle von Kontroll- verlust, permanenter Anspannung, Konzen- trationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, usw. Per Video können die Therapeut*innen die Reaktionen der Klient*innen besser sehen und spüren, und die Interventionen im Gespräch mit Hilfe der/des Sprach-und Kulturmittler*in steuern. Jeder von seinem eigenen Ort aus. Die Bundespsychotherapeutenkammer (2019) erklärt, dass Videobehandlung ins- besondere für Patient*innen geeignet ist, für die eine psychotherapeutische Behandlung im unmittelbaren Kontakt mit erheblichen Hürden verbunden ist. Zum Beispiel für Geflüchtete, die in weit verstreuten Land- kreisen wohnen. Die folgenden Besonderheiten müssen ebenfalls berücksichtigt werden (Tipps zu Videokonferenz): Eignet sich der/die Klient*in aufgrund der Symptomatik und der PTBS für Video- oder Telefongespräche? Kann der/die Therapeut*in eine Beziehung aufbauen, steuern und stabilisieren, ohne zu eskalieren? Wir sind immer sehr vorsichtig vorgegangen. Ist eine tragfähige therapeutische Beziehung vorhanden? Wir haben nur wenige neue Klient*innen per Video oder Telefon ange- nommen. Die meisten die wir kontaktiert haben, möchten nach wie vor auf ein persönliches Gespräch warten. Wer aber bereit war, am Anfang per Video/Telefon zu arbeiten, hat einen Termin erhalten. Zwischendurch wurde ein persönliches Gespräch geführt, dass das Aufbauen einer Bindung ermöglichte. Ist der/die Patient*in akut suizidal? Hierzu haben wir klare Regeln und einen Notfallplan im Voraus gemeinsam erstellt. Zum Beispiel eine Notfallnummer von einer Bezugsperson, die einbezogen werden kann. Oder, für den schlimmsten Fall, vereinbart, ggf. den Rettungsdienst anzurufen. Könnte es sein, dass der/die Klient*in die Kommunikation per Video zum Beispiel aufgrund starker aktueller Symptome plötzlich abbricht? Oder welche Auswirkun- gen hätte eine Unterbrechung der Kommunikation per Video auf den/die Patientin, zum Beispiel durch technische Störungen? Wie gehen wir damit um? Wir haben immer eine Telefonnummer, um die Klient*innen zu kontaktieren, auch eine E- Mail-Adresse als Back-up liegt vor. Oder auch eine Notfallnummer von einer Bezugsperson die einbezogen werden könnte, falls ein Abbruch während starker Symptomatik oder einer suizidalen Situation eintritt. Trotz der ungewöhnlichen Rahmen- bedingungen haben wir per Video und Telefon den vielleicht einzigen geschützten und geborgenen Ort geschaffen für Personen, die in großer Unsicherheit leben. Wir waren vielleicht auch die Einzigen, die sich Zeit genommen haben, besonders während der Kontaktbeschränkung, um zusammen schwierige Situationen oder Gefühle auszuhalten oder Mitgefühl und Trost zu spenden. Wir konnten und können trotz der Pandemie einen Platz anbieten und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen – nach langen Jahren voller Folter, Krieg und Verlust. Thank you for your concern and very useful advice. I’ll surely follow it… And thank you for being here. Knowing that I’m not alone gives me a kind of power and feeling of calmness (Klientin in einem kleinen Dorf, ca. 70km vom PSZ entfernt, Kontakt / Therapie per Video- telefonie) Quellen: Bundespychotherapeutenkammer (2019), Praxis-Info: Videobehandlung, 1. Auflage, November 2019. Abrufbar unter bptk.de/.../...videobehandlung Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer – BafF e.V.(2020). Versorgungs- bericht: Zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutsch- land. 6. Aktualisierte Auflage. Abrufbar unter baff-zentren.org/.../...Versorgungsbericht Trina Roll Traumatherapie Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Diakonisches Werk Trier und Simmern- Trarbach gGmbH Engelstraße 13 | 54292 Trier Handy: 0170 1264973 Festnetz: 0651 2090064 Fax: 0651 9916366 roll@diakoniehilft.de www.diakoniehilft.de