Projekt des Psychosozialen Zentrums

Pfalz in der Aufnahmeeinrichtung für

Asylbegehrende (AfA) in Speyer

31.03.2020 | Seit 1. Juli 2019 wird die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Speyer offiziell als eine von zwei Erstaufnahmeeinrichtungen in Rheinland- Pfalz geführt. Damit verbunden sind neue Aufgaben und Funktionen, so werden Asylsuchende hier nicht nur versorgt, sondern auch registriert und erkennungs- dienstlich behandelt. Nach Abschluss aller Umbauarbeiten können zukünftig bis zu 1.125 Flüchtlinge am Standort Speyer untergebracht werden. Damit verbunden hat auch das Psychosoziale Zentrum (PSZ) Pfalz in Trägerschaft der Diakonie Pfalz in Speyer sein Angebot ausgebaut. Neben der psychosozialen Beratung schutzbedürftiger und/oder traumatisierter erwachsener Flüchtlinge, sollen dort insbesondere psychisch stark belastete geflüchtete Kinder begleitet werden. Im Heimatland und/oder auf der Flucht haben diese Kinder sehr häufig Krieg und Gewalt erlebt. Die angespannte Situation in der Aufnahmeeinrichtung, erlebte Abschiebeversuche oder vollzogene Abschiebungen bei den AfA Bewohnern verunsichern die Kinder und Jugendlichen zusätzlich. Diese traumatischen Erlebnisse können sich auf vielfältige Weise auf das Wohl- befinden der Kinder und Jugendlichen auswirken. So können Zurückgezogenheit, Konzentrationsstörungen, innere Anspannung und Unruhe, aber auch aggressives Verhalten und Angsterleben Symptome einer Traumafolgestörung sein. Um einer Chronifizierung vorzubeugen ist eine frühzeitige psychosoziale und psycho- therapeutische Begleitung, am besten vor Ort in der Aufnahmeeinrichtung, sehr hilfreich. Die betroffenen Kinder können durch die geplanten Maßnahmen zur Ruhe kommen und ihre Erlebnisse besser verarbeiten.

„Stabilisierungskonzept Sonnenschein“

Das PSZ Pfalz hat das „Stabilisierungskonzept Sonnenschein“ entwickelt, das verschiedene Zielgruppen und Aktivitäten beinhaltet. Gestartet sind bereits:

1. Zielgruppe: Eltern

Wie oben bereits dargelegt, sind auch die Eltern durch die vergangenen Erlebnisse und die gegenwärtige Unsicherheit psychisch stark belastet. Diese innere An- spannung und Unruhe wirken sich auf die ganze Familie aus. Das Erlernen von Übungen zur Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und spezielle Atemtechniken tragen zur Entspannung und psychischen Stabilisierung bei. Wir führen deshalb eine Frauengruppe durch, die im geschützten Frauentrakt stattfindet. Mit weiteren Klienten*innen wird nach Bedarf gearbeitet. So betreut unsere Gruppenleiterin beispielsweise noch einige Frauen, die im Rollstuhl sitzen und wegen Barrierefreiheit in einem anderen Haus unterbracht werden müssen. Zielsetzung: mehr Entspannung durch die Anwendung der gelernten Haltungs- und Atem- techniken mehr Gelassenheit im Umgang mit Kind und Partner

2. Zielgruppe: Eltern mit (Klein)kindern

In dieser Altersgruppe ist es für kleine Kinder besonders schwer, die Erlebnisse aus der Vergangenheit und die derzeitige Situation in der Aufnahmeeinrichtung zu begreifen. Oftmals kommt es zur Übertragung von Angst und Verzweiflung durch die Eltern und führt bei den Kindern zu starker Verunsicherung. Um das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen wieder zu erlangen, wird eine Verbesserung der Eltern- Kind-Bindung angestrebt. Hierfür muss ein entsprechender Rahmen geschaffen werden. Dieses Angebot haben wir erst vor einigen Wochen gestartet, es findet ebenfalls im Frauentrakt statt. Das Angebot wurde von den Frauen und Kindern sehr gut ange- nommen. Die Gruppe leiten eine Sozialpädagogin und eine Gestalttherapeutin, beide sind an das PSZ angebunden. Bei den Bewohnerinnen kamen besonders die musikalischen und maltherapeutische Elemente sehr gut an. Zielsetzung: harmonischere Eltern-Kind Interaktion, dadurch ein geringeres Weinverhalten, mehr Wohlbefinden altersgemäße Entdeckungsfreude und lernen von erster Selbstbestimmtheit

3. Zielgruppe: Pädagogische Fachkräfte

In Zusammenarbeit mit dem Projekt „Offensive Bildung“ besteht die Möglichkeit, die Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes, der Kinderbetreuung und die Lehrkräfte ge- zielt und nachhaltig durch Weiterbildungs-maßnahmen zum Thema „Förderung von Resilienz und seelische Gesundheit in Kindertageseinrichtungen“ zu unterstützen. Zielsetzung: bessere Einschätzung der Belastungssituation bei den Kindern und Jugendlichen leichtere Identifizierung von besonders vulnerablen Personen Verbesserung der Resilienz und Stärken von kindlichen Schutzfaktoren Insgesamt werden über mindestens ein Jahr hinweg alle Erzieherinnen der Kinder- betreuung in verschiedenen Modulen zum obigen Thema geschult. Die Rück- meldungen aller Beteiligten waren bis jetzt sehr positiv. Das Konzept enthält weitere Angebote, die nach Bedarf und Förderung durchgeführt werden:

4. Zielgruppe: Kinder 6 bis 12 Jahre

Auf der Grundlage des Stabilisierungskonzepts von START- Kids (Stress-Trauma- symptoms-Arousal-Regulation-Treatment/A. Dixius und E. Möhler, 2017) wird für Jungen und Mädchen ein Gruppenangebot durchgeführt. Spielerisch wird die Entwicklung von Skills zur Emotionsregulation und Arousal-Modulation gefördert und somit zur psychischen Stabilisierung beigetragen. Zielsetzung: bessere emotionale Selbstregulation (z.B. Wut) durch Anwenden der gelernten Skills bessere soziale Kompetenzen, z.B. im Umgang mit anderen Kindern

5. Zielgruppe: Mädchen 12 bis 18 Jahre

Für die jungen Mädchen wird ein Gruppenangebot zum Thema „Kreativ, fit und stark“ angeboten. Da es hier besonders wichtig ist, die Akzeptanz der Jugendlichen (und der Eltern) zu gewinnen, sollte sich das Angebot nach deren Bedürfnissen und Wünschen richten. Die Herstellung von Schmuck, designen von Fingernägeln, aber auch Tanz und Theater sind vorstellbar. Da das START-Konzept auch für Jugendliche vorliegt, können hieraus „nebenbei“ einzelne Elemente vermittelt und Skills erlernt werden. Außer den Belastungen durch die Erlebnisse im Heimatland und/oder auf der Flucht, müssen die Jugendlichen auch ihre eigene Identität entwickeln. Kulturelle Unterschiede wie z.B. die Rolle der Frau werden hier deutlich wahr- genommen und führen zusätzlich zur Verunsicherung. Das Gruppenangebot kann dabei helfen, das eigene Selbstwertgefühl zu verbessern. In einem vertrauensvollen Setting können aufkommende Fragen zum Thema Körper und Gesundheit auf- gegriffen werden. Zielsetzung: bessere emotionale Selbstregulation durch Anwenden der gelernten Skills höheres Selbstwertgefühl und Eigenakzeptanz

Projekt des Psychosozialen

Zentrums Pfalz in der

Aufnahmeeinrichtung für

Asylbegehrende (AfA) in Speyer

31.03.2020 | Seit 1. Juli 2019 wird die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Speyer offiziell als eine von zwei Erstaufnahmeeinrichtungen in Rheinland- Pfalz geführt. Damit verbunden sind neue Aufgaben und Funktionen, so werden Asylsuchende hier nicht nur versorgt, sondern auch registriert und erkennungs- dienstlich behandelt. Nach Abschluss aller Umbauarbeiten können zukünftig bis zu 1.125 Flüchtlinge am Standort Speyer untergebracht werden. Damit verbunden hat auch das Psychosoziale Zentrum (PSZ) Pfalz in Trägerschaft der Diakonie Pfalz in Speyer sein Angebot ausgebaut. Neben der psychosozialen Beratung schutzbedürftiger und/oder traumatisierter erwachsener Flüchtlinge, sollen dort ins- besondere psychisch stark belastete geflüchtete Kinder begleitet werden. Im Heimatland und/oder auf der Flucht haben diese Kinder sehr häufig Krieg und Gewalt erlebt. Die angespannte Situation in der Aufnahmeeinrichtung, erlebte Abschiebe- versuche oder vollzogene Abschiebungen bei den AfA Bewohnern verunsichern die Kinder und Jugendlichen zusätzlich. Diese traumatischen Erlebnisse können sich auf vielfältige Weise auf das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen auswirken. So können Zurückgezogenheit, Konzentrations- störungen, innere Anspannung und Unruhe, aber auch aggressives Verhalten und Angst- erleben Symptome einer Traumafolge- störung sein. Um einer Chronifizierung vorzubeugen ist eine frühzeitige psycho- soziale und psychotherapeutische Begleitung, am besten vor Ort in der Aufnahmeeinrichtung, sehr hilfreich. Die betroffenen Kinder können durch die geplanten Maßnahmen zur Ruhe kommen und ihre Erlebnisse besser verarbeiten.

„Stabilisierungskonzept

Sonnenschein“

Das PSZ Pfalz hat das „Stabilisierungskonzept Sonnenschein“ entwickelt, das verschiedene Zielgruppen und Aktivitäten beinhaltet. Gestartet sind bereits:

1. Zielgruppe: Eltern

Wie oben bereits dargelegt, sind auch die Eltern durch die vergangenen Erlebnisse und die gegenwärtige Unsicherheit psychisch stark belastet. Diese innere Anspannung und Unruhe wirken sich auf die ganze Familie aus. Das Erlernen von Übungen zur Körper- wahrnehmung, Achtsamkeit und spezielle Atemtechniken tragen zur Entspannung und psychischen Stabilisierung bei. Wir führen deshalb eine Frauengruppe durch, die im geschützten Frauentrakt stattfindet. Mit weiteren Klienten*innen wird nach Bedarf gearbeitet. So betreut unsere Gruppenleiterin beispielsweise noch einige Frauen, die im Rollstuhl sitzen und wegen Barrierefreiheit in einem anderen Haus unterbracht werden müssen. Zielsetzung: mehr Entspannung durch die Anwendung der gelernten Haltungs- und Atem- techniken mehr Gelassenheit im Umgang mit Kind und Partner

2. Zielgruppe: Eltern mit

(Klein)kindern

In dieser Altersgruppe ist es für kleine Kinder besonders schwer, die Erlebnisse aus der Vergangenheit und die derzeitige Situation in der Aufnahmeeinrichtung zu begreifen. Oft- mals kommt es zur Übertragung von Angst und Verzweiflung durch die Eltern und führt bei den Kindern zu starker Verunsicherung. Um das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen wieder zu erlangen, wird eine Verbesserung der Eltern-Kind-Bindung angestrebt. Hierfür muss ein entsprechender Rahmen geschaf- fen werden. Dieses Angebot haben wir erst vor einigen Wochen gestartet, es findet ebenfalls im Frauentrakt statt. Das Angebot wurde von den Frauen und Kindern sehr gut ange- nommen. Die Gruppe leiten eine Sozial- pädagogin und eine Gestalttherapeutin, beide sind an das PSZ angebunden. Bei den Bewohnerinnen kamen besonders die musikalischen und maltherapeutische Elemente sehr gut an. Zielsetzung: harmonischere Eltern-Kind Interaktion, dadurch ein geringeres Weinverhalten, mehr Wohlbefinden altersgemäße Entdeckungsfreude und lernen von erster Selbstbestimmtheit

3. Zielgruppe: Pädagogische

Fachkräfte

In Zusammenarbeit mit dem Projekt „Offensive Bildung“ besteht die Möglichkeit, die Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes, der Kinderbetreuung und die Lehrkräfte gezielt und nachhaltig durch Weiterbildungs- maßnahmen zum Thema „Förderung von Resilienz und seelische Gesundheit in Kindertageseinrichtungen“ zu unterstützen. Zielsetzung: bessere Einschätzung der Belastungs- situation bei den Kindern und Jugend- lichen leichtere Identifizierung von besonders vulnerablen Personen Verbesserung der Resilienz und Stärken von kindlichen Schutzfaktoren Insgesamt werden über mindestens ein Jahr hinweg alle Erzieherinnen der Kinder- betreuung in verschiedenen Modulen zum obigen Thema geschult. Die Rückmeldungen aller Beteiligten waren bis jetzt sehr positiv. Das Konzept enthält weitere Angebote, die nach Bedarf und Förderung durchgeführt werden:

4. Zielgruppe: Kinder 6 bis 12

Jahre

Auf der Grundlage des Stabilisierungs- konzepts von START- Kids (Stress-Trauma- symptoms-Arousal-Regulation-Treatment/A. Dixius und E. Möhler, 2017) wird für Jungen und Mädchen ein Gruppenangebot durch- geführt. Spielerisch wird die Entwicklung von Skills zur Emotionsregulation und Arousal- Modulation gefördert und somit zur psychischen Stabilisierung beigetragen. Zielsetzung: bessere emotionale Selbstregulation (z.B. Wut) durch Anwenden der gelernten Skills bessere soziale Kompetenzen, z.B. im Umgang mit anderen Kindern

5. Zielgruppe: Mädchen 12 bis 18

Jahre

Für die jungen Mädchen wird ein Gruppen- angebot zum Thema „Kreativ, fit und stark“ angeboten. Da es hier besonders wichtig ist, die Akzeptanz der Jugendlichen (und der Eltern) zu gewinnen, sollte sich das Angebot nach deren Bedürfnissen und Wünschen richten. Die Herstellung von Schmuck, designen von Fingernägeln, aber auch Tanz und Theater sind vorstellbar. Da das START- Konzept auch für Jugendliche vorliegt, können hieraus „nebenbei“ einzelne Elemente vermittelt und Skills erlernt werden. Außer den Belastungen durch die Erlebnisse im Heimatland und/oder auf der Flucht, müssen die Jugendlichen auch ihre eigene Identität entwickeln. Kulturelle Unterschiede wie z.B. die Rolle der Frau werden hier deutlich wahrgenommen und führen zusätzlich zur Verunsicherung. Das Gruppenangebot kann dabei helfen, das eigene Selbstwertgefühl zu verbessern. In einem vertrauensvollen Setting können aufkommende Fragen zum Thema Körper und Gesundheit aufgegriffen werden. Zielsetzung: bessere emotionale Selbstregulation durch Anwenden der gelernten Skills höheres Selbstwertgefühl und Eigenakzeptanz